Die Geschichte des Kissens

In Ägypten wurden die ersten Sitzkissen der Welt in den antiken Gräbern der Pharaonen gefunden. Die Pharaonen benutzten sie, um ihre komplizierten Frisuren während des Schlafs zu bewahren. An dem Kissen, das auf einen Ständer gestellt wurde, waren zwei gewölbte Platten mit Götterbildern befestigt, die dem Verstorbenen angeblich beim Einschlafen helfen sollten, da seine Ka (Seele) zu diesem Zeitpunkt den Körper verließ.

Die Geschichte kennt auch andere, nicht weniger interessante Kissen. Im alten China zum Beispiel ruhten wichtige Mandarine je nach Reichtum auf Kissen aus Stein, Porzellan oder sogar auf Kissen aus Metall. Auch ein Kissen aus Edelmetall ist als ein solcher rechteckiger Ständer bekannt, der vollständig mit Juwelen besetzt ist.

Bis vor kurzem waren die am häufigsten verwendeten Kissen der Japaner Holzkissen. Auch hier konnte man an dem Kissen erkennen, wie reich sein Besitzer war. Denn je seltener die Holzart ist, aus der es hergestellt wird, desto teurer ist das Kissen.

Die alten Griechen waren die ersten, die ein weiches Kopfkissen zum Träumen benutzten. Sie füllten ihre Kissen mit leichten Vogelfedern, Schafwolle und getrocknetem Gras. Das Kissen selbst war aus dickem Stoff oder, häufiger, aus Leder gefertigt. Sie verzierten den Gegenstand auf jede erdenkliche Art und Weise – ob mit kunstvollen Stickereien, Perlen oder Fransen. Natürlich war ein Kissen, das von geschickten Meistern hergestellt wurde, viel Geld wert. Daher konnte sich nur ein reicher Mann ein solches Kunstwerk leisten. Die wohlhabenden Griechen liebten es, auf weichen Betten und unterschiedlichen Matratzen zu liegen, und sparten daher nicht an der Dekoration des Bettes. Bei den Griechen galt ein Kissen im Allgemeinen als Zeichen des guten Geschmacks. So konnten die Werkstätten Kissen in verschiedenen Formen und Größen für jeden Geschmack und Geldbeutel anbieten.

Im alten Rom waren die Daunenkissen so beliebt, dass der militärische Adel einige seiner Soldaten vom Militärdienst befreite, damit sie die Daunen für Kissen abzogen. Es gibt auch einen interessanten Fall in der Geschichte über ein Kissen und einen Kaiser. Kaiser Octavian Augustus wollte das Kopfkissen seines bankrotten Untertanen unter dem Kopf haben. Er war überzeugt, dass das Kissen des Schuldners magische Eigenschaften haben musste, die dem Schläfer einen guten, unruhigen Schlaf bescherten, denn auf dem Kissen schlief friedlich ein Mann, der lange Zeit Schulden wie Seide hatte und danach sein ganzes Vermögen verlor.

In der Geschichte ist die Erstickung mit einem Kissen nicht unbekannt. Auf diese Weise konnte man sich sowohl unerwünschter erwachsener Herrscher als auch sehr junger Erben entledigen. Andernfalls wären ehrgeizige Hofintriganten nicht in der Lage, einer begehrten Position in der High Society oder der Macht näher zu kommen. So wurde Kaiser Tiberius, als er auf Befehl Caligulas vergiftet wurde und lange im Todeskampf lag, hastig mit einem Kissen erdrosselt. Oder in einem anderen Fall wurde ein Kirchendiener, der sich strikt weigerte, Iwan den Schrecklichen zu segnen, mit einem Kissen erdrosselt. Viele Fürsten und Größen dieser Welt erfuhren den Tod im eigenen Bett „dank“ des Kissens: es ist Paul I. und der Sohn von Peter I. – Zarewitsch Alexej Petrowitsch, und Johannes X., und ein neugeborener Enkel von Ludwig XIV – Haile Selassie, der seine Tante erdrosselte.

Aber nicht alle Kopfkissengeschichten im Bett sind zwangsläufig traurig. Denken Sie an das Kamasutra, in dem das über viele Jahrhunderte und Generationen angesammelte Wissen zusammengetragen wurde. Es bietet mehr als eine Liebesposition, die man sich ohne Kissen nicht vorstellen kann.

Oder im orientalischen Märchen: eine bunte Couch, kuschelig ausgestattet mit luxuriösen Satin- und Seidenkissen, auf der der Sultan und seine schönen Konkubinen ruhen.

Im Mittelalter waren Burgen aus kaltem Stein schlecht beheizt, so dass es immer Probleme mit Zugluft gab, die über den Boden zog. Die Bewohner solcher Häuser erfanden Kissen unter ihren Füßen, die einen sehr guten Schutz vor der Kälte boten. Später wurden Kissen während des Gebets unter die Knie gelegt, auf die Sättel gelegt, um es den Reitern bequemer zu machen, und in Tragbahren, Wagen und Kutschen eingebaut.

In Russland wussten nur wenige Menschen, dass ein Kissen aus Federn oder Daunen ein Luxusartikel war. Die Bauern benutzten mit Heu und Rosshaar gefüllte Kissen, die Schönheiten unter den Mägden machten bestickte Kissen als Mitgift.

Im Laufe der Geschichte der Kissenfüllungen gab es eine große Vielfalt an Materialien. Manchmal hing es von den Bräuchen ab, wie im Osten, wo ein Duftkissen eine Tradition ist. Getrocknete Blüten und Blätter von wohlriechenden Kräutern wurden hineingelegt. Auch später wurden solche Kissen zu Heilzwecken hergestellt. In einigen Kulturen ist es Brauch, zu Weihnachten Fichtenzweige sozusagen als Glücksbringer in ein Kissen zu legen. Russische Schönheiten legen einen Zweig unter ihr Kopfkissen, um den Namen ihres Bräutigams herauszufinden.

Es gibt auch lustige und amüsante Traditionen im Zusammenhang mit Kissen. So legen Schüler beispielsweise ein Lehrbuch unter ihr Kopfkissen, um sich den Stoff vor einer Prüfung besser einzuprägen. In England gab es einst den Brauch, dass ein Mann, der seiner Frau eine Axt unter das Kopfkissen legt, bald einen Jungen gebären wird.

Heute wird der alte Favorit, das Federkissen, zunehmend von seinen Verwandten mit Schaumstoff- und Kunstfaserfüllungen verdrängt. Aber egal, welches Kissen Sie wählen, stellen Sie sicher, dass es für Sie bequem ist.

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